Eine Geschichte über Freundschaft

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Als unsere Ginger nicht mal ein Jahr alt war, haben wir auf einem Spaziergang Arkay und seine Besitzerin Gaby kennen gelernt. Arkay und Ginger haben sich sofort verstanden. Da wir Menschen auch einen guten Draht zueinander hatten, sind wir zusammen spazieren gegangen, wie man das so macht.

Arkay war ein lieber Hund, sehr sozialverträglich im Freilauf, aber leinenagressiv, und der Rückruf war nicht gerade prickelnd. Als ich mit der Hundetrainerausbildung angefangen habe, habe ich jeweils auf unseren Spaziergängen Gaby meine neusten Erkenntnisse erzählt. Und Gaby hat mit meinen Erzählungen etwas angefangen: Sie hat mit Arkay geübt.

Bald schon konnte sie Arkay viel öfters von der Leine lassen, da er besser zurückkam. Vor allem freudiger. Leider hatte sie früher irgendwo mal gesagt gekriegt, sie müsse sich durchsetzen, und diesen sensiblen Tervueren oft angeschrien wenn er nicht kam oder wenn er in der Leine getobt hat. Nun, mit den neuen Informationen, war sie nett zu ihm und hat ihn gut belohnt beim retour kommen, und der Erfolg liess nicht lang auf sich warten.

Auch die Leinenagression wurde insofern besser, dass Gaby Arkay so oft wie möglich ohne Leine liess und wenn es sich gar nicht vermeiden liess, an der Leine zu kreuzen, dann nahm sie halt den Weg in die Wiese oder den Wald auf sich, um den Abstand zu haben, den es brauchte.

Ich brauchte Hundeschüler für meine Hundetrainer-Ausbildung und Gaby und Arkay nahmen teil. Mein kleines Grüppchen, bestehend aus diesen Beiden und ihren Nachbarn Simone und Nacho hatten viel Spass und lernten doch einiges, vor allem in Sachen Hundebegegnungen. Für beide Hundebesitzerinnen war es wichtig, nicht mehr jedes Mal, wenn sie einen anderen Hundehalter kommen sahen, Angst zu bekommen, dass es nun wieder wild zu und her geht. Sie lernten, mehr Vertrauen in ihre Hunde und sich selbst zu haben und ich denke, es gab allen mehr Lebensqualität und Freude.

Nach der Hundetrainerausbildung führten wir die Lektionen noch ein wenig weiter, aber dann versandeten sie. Die Spaziergänge blieben natürlich.

Liam, mein junger Rüde, wurde von den beiden erwachsenen Hunden gut aufgenommen, es bildete sich ein Dreier-Rudel, das gern zusammen spazieren ging, Gaby hütete auch mal meine Hunde, wofür ich sehr dankbar war, und es entwickelte sich eine schöne Freundschaft zwischen allen. Natürlich machte ich auch mal Fotos auf den Spaziergängen. Eins davon ist das Beitragsbild.

Und dann geschah es.

Liam und Arkay spielten. Oder jagten und spielten. Sie überquerten einen Bach, was sie vorher noch nie hatten, und rannten über die Strasse. Sie hörten nicht auf Rückruf, nicht auf Pfeiffen, auf nichts. Sie waren in ihrer Welt und hatten Spass.

Liam kam rüber. Arkay nicht. Er wurde von einem Auto angefahren und starb wenig später beim Tierarzt. Kurz vor seinem 8. Geburtstag, viel zu früh, viel zu plötzlich, ein schrecklicher Verlust für uns alle. Wir weinten, wir zweifelten am Schicksal, ich machte mir Vorwürfe.

2 oder 3 Tage später bat mich Gaby um eins der Fotos, die ich gemacht hatte, damit sie es daheim an die Pinwand hängen konnte. Natürlich schickte ich es ihr. Ich schlug ihr vor, ein Bild von Arkay drucken zu lassen, aber ihr gefiel die Idee einer Tasse mit seinem Bild besser. Sie sagte, dann kann ich ihn jeden Morgen anschauen, wenn ich meinen Kaffee trinke. Dann habe ich ihn bei mir.

Unsere Hunde haben uns unsere Freundschaft geschenkt, indem sie sich gut verstanden haben, indem sie miteinandern spielen wollten. Ich werde ihnen immer dankbar sein dafür, für die Zeit, die ich mit Arkay verbringen durfte, und die schönen Erinnerungen.